Das verstummte Thema: Gehörlose in Emsdetten

Das verstummte Thema: Gehörlose in Emsdetten

Man sieht es ihnen nicht an – und genau das ist das Problem: Gehörlose Menschen sind in Emsdetten praktisch unsichtbar und dabei dringend auf Hilfe angewiesen.


Alltag ohne Hilfen
Die Realität: Ohne Dolmetscher geht fast nichts – beim Arzt, auf dem Amt, bei der Polizei oder bei Veranstaltungen. Trotzdem gibt es keine Hilfs- oder Unterstützungsangebote. Wer auf Dolmetscher angewiesen ist, soll das bitteschön selbst regeln. Für viele bedeutet das: Sie bleiben außen vor. Keine Lobby, keine Unterstützung, keine echten Angebote – dafür aber unklare Zuständigkeiten. Dabei geht es nicht um Extras, sondern um Grundrechte. Es wird gerne auf die Caritas verwiesen – oder gleich auf die Betroffenen selbst. „Sie können doch ihr Gehörlosengeld nehmen“, heißt es, und gemeint sind die 77 Euro, die Gehörlose im Monat erhalten. Eine Stunde Dolmetschen kostet aber schon 92 Euro. Wer rechnen kann, merkt: Das passt nicht.

Alltag ohne Stimme
 Das Ergebnis: Viele Gehörlose resignieren. Sie haben kein Sprachrohr, niemand, der ihre Interessen in der Kommunalpolitik vertritt. Selbst wenn sie wollten, könnten sie ihre Stimme nicht einfach im Rat einbringen – ohne Dolmetscher keine Chance. Und weil die Stadt die Kosten nicht übernimmt, bleibt ihnen die Tür zur Politik verschlossen. Wer nicht hören kann, kann in Emsdetten auch nicht politisch mitreden. Und um die ganze Wahrheit zu sehen: Wer nicht hören kann, kann nicht einmal von der Tribüne im Ratsaal die Sitzung verfolgen.

Veranstaltungen ohne Teilhabe
Auch im gesellschaftlichen Leben zeigt sich das Problem. Bei Veranstaltungen werden Gehörlose schlicht nicht berücksichtigt. Während andere diskutieren, feiern oder lachen, bleibt für sie nur die Rolle des stillen Zuschauers.

Dolmetscher statt KI
Und bevor jemand sagt: „Dafür gibt’s doch Apps oder KI“ – nein. Professionelle Dolmetscher sind unverzichtbar. Künstliche Intelligenz kann das bisher nicht annähernd ersetzen. Sprache, Gestik, Emotionen – all das braucht echte Menschen, die vermitteln.

Situation im Alter
Ältere gehörlose oder hörbehinderte Menschen können in vielen Pflegeeinrichtungen nicht angemessen betreut werden. Häufig sind sie gezwungen, ihre gewohnte Umgebung, Familie und Freunde, zu verlassen und in weit entfernte Altenheime umzuziehen – die nächsten spezialisierten Einrichtungen befinden sich beispielsweise in Dortmund oder Solingen.

Rechte statt Fürsorge
Eigentlich ist die Sache klar: Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) unterschrieben. Sie verpflichtet Bund, Länder und auch Kommunen dazu, echte Teilhabe sicherzustellen. Dieses wird auch in Emsdetten nicht vollständig erfüllt.  Teilhabe ist ein Menschenrecht, keine Fürsorgeleistung und erst recht kein „nice to have“.

Unsere Position: 
Emsdetten muss hier endlich liefern!
  • Dolmetscher finanzieren: Professionelle Dolmetscher sind notwendig – KI ist (noch) keine Lösung.
  • Zuständigkeiten klären: Weg vom Abschieben, hin zu klarer Verantwortung!
  • Pflege sichern: Wir wollen, dass gehörlose Menschen im Alter in Emsdetten bleiben können.
  • Inklusion ernst nehmen: Teilhabe in Politik, Kultur, Alltag – und zwar konsequent.
  • Und ja: Es geht um mehr als „breite Türen und rollstuhlgerechte Rampen und Fahrstühle“. Barrierefreiheit bedeutet auch, Informationen zu verstehen, Rechte wahrzunehmen und mitreden zu können.

 „Endlich wurde mit uns gesprochen – und nicht über uns“, so Inga Stegnitz von der Beratungsstelle. Klang für uns im ersten Moment wie ein Lob, ist uns aber dann doch sprichwörtlich im Hals steckengeblieben – zeigt es doch genau das Problem. Wir werden weiter gemeinsam nach Lösungen suchen und für diese einstehen



Autor: UWE Emsdetten

Die UWE (Unabhängige Wähler Emsdetten) wurde 2014 gegründet und ist bis heute im Rat der Stadt Emsdetten vertreten. Sie ist davon überzeugt, dass es dafür kein Parteibuch, sondern eines schlichten, einfachen Grundprinzips bedarf: Offen. Verständlich. Transparent. Die UWE unterstützt die Erhaltung der finanziellen Handlungsfähigkeit der Stadt – als Grundlage für jede Gestaltungsmöglichkeit und ein lebenswertes Emsdetten.